Rundbrief April 2016

04.04.2016

Angesichts des Leids und Elends in unserer Nachbarschaft und der ganzen Welt, das uns über die Fernsehbilder und Nachrichten so nahekommt, mag sich so manch einer fragen, ob es sinnvoll ist, den Menschen in Hoachanas über den Hoachanas-Children-Fund zu helfen. Der kleine Ort ist 10 000 km entfernt, die Menschen leben im Frieden und sind keinen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt.

Ich denke, in unserer globalen Welt, in der wir alle so eng zusammengerückt sind, ist es einfach wichtig und richtig, in irgendeiner Form zu helfen. Und das jedenfalls kann ich Ihnen versichern: In Hoachanas kommt die Hilfe an! In den vergangenen 15 Jahren hat sich schon ganz viel getan – danke für jede Unterstützung! Jedes Jahr kommen viele Spender und Paten nach Hoachanas, besuchen ihre Patenkinder bzw. die verschiedenen Projekte und überzeugen sich von der richtigen Verwendung ihrer Spenden.

Danke für alle Aktionen, die in Schulen, Kindergärten oder Kindergottesdiensten durchgeführt werden, danke für Spenden anlässlich von Betriebsjubiläen, Geburtstagen oder einfach nur Kaffeeeinladungen und den Aktivitäten Einzelner oder ganzer HCF-Unterstützungsgruppen. Und danke natürlich für jede Einzelspende! Danke auch für „tätige Hilfe“ wie das Übersetzen der Rundbriefe, die Pflege der interessanten Facebook-Seite mit vielen Videos – die man über den Link auf der Homepage auch besuchen kann, ohne selbst bei Facebook zu sein – danke für Ihre Unterstützung „vor Ort“ in Hoachanas, für die natürlich kein Euro an Spendengeldern verwendet wird.

Bedanken möchte ich mich auch für die Unterstützung, die ich von namibischer Seite erhalte: vor allem von den Menschen in Hoachanas, die mit Rat und Tat zur Seite stehen – fast alle davon ohne jegliche Bezahlung. Daneben von den Behörden, die die Arbeit des Hoachanas-Children-Fund bis in höchste Regierungskreise anerkennen und unterstützen sowie die Evang. Kirche (ELCRN), bei der die Verantwortliche für das Patenkinderprojekt angestellt ist.

1. Patenkinder:

Durch die vielen Highschool-Patenkinder war es am Schuljahresanfang im Januar ganz besonders aufwendig, alle Patenkinder zu treffen. Die „Baby-Patenkinder“ muss ich ja immer zuhause aufsuchen und da musste ich manchmal mehrmals hinfahren, weil ich sie nicht angetroffen hatte. Dann sind in Hoachanas Patenkinder im Christo-Kindergarten, in der AME-Private-Community School (Klasse 1-7) und in der P.J. Tsaitsaib C.S. (Kl. 1 – 10). Highschool-Patenkinder besuchen Schulen in Mariental (8), in Aranos (9), in Gibeon (1), und in Rehoboth (24). Entgegen meinen Informationen waren einige der Schüler nicht mehr an den angegebenen Schulen sondern in Windhoek oder irgendwo auf einer Farm. Das kann ich letztlich nur herausfinden, wenn ich sie an den Schulen aufsuche. Die Paten erhalten einen Brief von mir.

Alle Patenkinder vom Baby bis zu den Studenten – erhielten ein Set mit Toilettenartikeln – immer heiß begehrt, da die Kinder ja sauber gewaschen in die Schule kommen sollen. Die Patenkinder, die eine Schule besuchen, erhielten auch die vorgeschriebene Schuluniform und die Schulschuhe. Den Highschool-Patenkindern habe ich im Namen ihrer Paten außerdem das vorgeschriebene Mathematikset und den Taschenrechner sowie ein neues, gut gefülltes Federmäppchen ausgehändigt. Von allen Patenkindern habe ich Briefe erhalten und Fotos gemacht. Diese Fotos finde ich nun nicht hier in der Cloud! Unter anderem deshalb fliege ich nächste Woche noch einmal nach Namibia, um sie hoffentlich dort zu finden, damit ich sie den Paten zusenden kann.

Während meines Aufenthaltes seit Januar habe ich – quasi notfallmäßig – nur einige Babys als Patenkinder aufgenommen, weil sie unterversorgt und in sehr schlechtem Zustand waren. Außerdem drei Highschool-Patenkinder, die nicht auf meiner Liste standen, weil sie nicht damit gerechnet hatten, die Prüfung zu bestehen. Nun werde ich diese Kinder mit den Namen potentieller Paten abgleichen – danke für die Bereitschaft, diese kostspieligen Patenschaften zu übernehmen!
Im Oktober werde ich wieder neue Patenkinder aufnehmen!

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2. Suppenküchen

In allen Suppenküchen wird wieder gekocht! Von der Schule und dem örtlichen Komitee wurden wieder die Kinder ausgewählt, die in diesem Jahr nach der Schule zu einer der neun HCF-Suppenküchen kommen dürfen, um dort ein ausgewogenes Mittagessen zu erhalten. Es sind auch in diesem Jahr wieder viele neue Kinder für das tägliche Mittagessen ausgewählt worden, obwohl die Kinder, die im vergangenen Jahr zu den Suppenküchen kommen durften, inständig gebeten hatten, doch auch in diesem Jahr ein tägliches Essen erhalten zu dürfen. Aus diesem Grund möchte ich für das kommende Jahr 2017

Essens-Patenschaften
vermitteln. Wenn sich genügend (mindestens sechs) Menschen finden, die einem Kind ein Jahr lang ein Essen finanzieren, werden wir eine weitere Suppenküche eröffnen. Obwohl die Lebensmittelpreise stark angestiegen sind, können wir dank des zurzeit gültigen Wechselkurses weiterhin mit 200 Euro im Jahr einem Kind während der Schulzeit ein tägliches Mittagessen garantieren. Mit der übernahme einer „Essenspatenschaft“ erhalten Sie Namen und Foto des Kindes sowie die Angabe der Suppenküche, in dem das Kind 2017 ein tägliches Mittagessen erhält. Schreiben Sie mich an!

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3. Arche

25 Waisenkinder kommen inzwischen täglich nach der Schule in die Arche, die Kindertagesstätte des HCF. Hier werden sie von jungen Frauen erwartet, die mit ihnen spielen, bis alle eingetroffen sind. Dann erhalten sie ein reichhaltiges Mittagessen, das von anderen Ehrenamtlichen im Laufe des Vormittags gekocht worden ist – entweder auf dem Solarkocher, in den Solaröfen oder über Feuer. Nach dem Mittagessen schlafen die Kinder auf Matratzen auf dem Fußboden, dann erhalten sie einen Nachmittagssnack – einmal in der Woche ein Stück Obst (!), ansonsten einen Keks und Tee oder Wasser. Danach ist Hausaufgabenzeit. Die Kinder sind nach Klassen in Lerngruppen eingeteilt und üben hauptsächlich Englisch und Rechnen. Nach dem Lernen können sie noch drinnen oder draußen spielen und singen, dann gibt es noch ein Abendessen und danach gehen die Kinder wieder nach Hause. Für alle Kinder haben wir im Januar Sommerkleidung gekauft, die sie in der Arche tragen, um die Schuluniform zu schonen. Diese Sommerkleidung wird jetzt verpackt. Nach den Ferien im Mai erhalten sie Jogginganzüge, da dann der Winter Einzug hält. Im Oktober werden dann wieder die Sommersachen herausgeholt und am Jahresende dürfen sie alles mit nach Hause nehmen. Danke für alle Spenden, die wir für die Archekinder verwenden dürfen! Wer nur den geringsten Zweifel hat, ob dieses Projekt Sinn macht, der möge einen Tag an der Arche zubringen und die glücklichen Kinder dort erleben!

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4. Bau neuer Klassenzimmer

Durch Spenden von Bitterwasser-Aktionären und Bitterwasser-Piloten konnten wir den Bau der beiden Klassenzimmer finanzieren, die wir am 26. März der Schule übergeben haben. Damit wird es im kommenden Schuljahr eine „Hoachanas-Highschool“ geben. Die Bedeutung für den Ort kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Kinder aus Hoachanas werden im Ort die weiterführende Schule besuchen können! Damit fällt eine große finanzielle Belastung für die Familien weg – das Geld kann für lebensnotwendige andere Ausgaben verwendet werden. Auch wenn der HCF für alle der mehr als 40 Highschoolkinder die Kosten für die Unterbringung in den Schülerheimen übernimmt, die Schuluniformen und etliche teure Schulmaterialien kauft, immer wieder einmal Toilettenartikel verteilt und einen Teil der Transportkosten zu den Heimfahrt-Wochenenden übernimmt, müssen die Eltern und Verwandten doch immer noch viel für diese Kinder bezahlen – Geld, das eigentlich dringend für Lebensmittel und Kleidung gebraucht wird. Zumindest die hohen Fahrtkosten fallen dann in Zukunft weg!

Zugleich werden Schülerinnen und Schüler aus anderen – weit entfernten – Ortschaften nach Hoachanas kommen, ehrgeizige Jugendliche mit guten Noten, Jugendliche, die essen und trinken müssen, in Sportvereinen, Chören und Kirchengemeinden aktiv sein werden.

Dazu muss gesagt werden, dass es nicht darum geht, dass unbedingt alle Jugendlichen „Abitur“ machen sollen, um dann später eine akademische Laufbahn zu beschreiten – natürlich nicht! Namibia braucht auch dringend gut ausgebildete Arbeiter und Handwerker in allen Bereichen. Aber nach der 10. Klasse sind die Jugendlichen zwangsläufig arbeitslos, sie können sich keine Lehrstelle suchen, weil es dieses System nicht gibt. Und auch die staatlichen Einrichtungen für Berufsausbildung (Vocational Training Centres) verlangen für viele Handwerksberufe einen Schulabschluss nach der 12. Klasse. So haben die Jugendlichen, deren Eltern oder Verwandte eine Festanstellung auf einer Farm haben, noch Glück: Sie können bei der Familie auf der Farm leben und mitarbeiten, während die anderen zwangsläufig ohne Perspektive und angewiesen auf die Rente der Großmütter, in Hoachanas herumsitzen. Da kommen sie dann natürlich auch leicht auf dumme Gedanken! Mit zwei weiteren Schuljahren haben sie immerhin zwei weitere Jahre eine Struktur in ihrem Tag und lernen natürlich etwas – selbst wenn sie den Abschluss nach der 12. Klasse nicht schaffen oder mit so mäßigen Noten, dass sie nicht für ein Hochschulstudium zugelassen werden. Sie wären dann qualifiziert für eine Berufsausbildung!

5. Eröffnung der Angel-Suppenküche

Neben dem Bau der Klassenzimmer wurde noch ein weiterer Bau erstellt: Eine Suppenküche für arme Alte und Kranke. Danke für die Zuwendungen meist älterer Spender, die aus Dankbarkeit, dass es ihnen so gut geht, anderen helfen wollen. Danke, für Spenden, die mit dem Vermerk kommen: „Meine Mutter hat sich zu ihrem 80. Geburtstag gewünscht, dass sie anstelle von Geschenken, einigen Rentnern und Rentnerinnen in Hoachanas Essen finanzieren darf“. Es ist ganz konkret – Sie können kommen und die Suppenküche besuchen! 15 Menschen – Alte und Kranke aus bitterarmen Verhältnissen – bekommen da von Montag bis Donnerstag eine warme Mittagsmahlzeit und sie sind sooo dankbar dafür! Aus Rücksicht auf die Würde der Menschen mache ich keine Fotos, die ich veröffentliche, ich hoffe, Sie glauben es mir auch so. Die Organisation ist dem Komitee vor Ort überlassen. Zurzeit erhalten sie diese Mahlzeiten immer zwei Wochen lang und dann werden 15 andere ausgewählt. Auch die Suche nach den Köchinnen, die die mühselige Zubereitung der Nahrung ehrenamtlich übernehmen, ist dem Komitee überlassen. Der HCF finanziert den Kauf der Nahrungsmittel – aber ohne diese Finanzierung ginge es eben überhaupt nicht. Deshalb noch einmal: Danke für alle Spenden, die wir dafür schon erhielten und danke für alle weiteren Spenden!

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Einer unserer Studenten hat in seinem letzten Monatsbericht einen Satz zitiert, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht:

„In einem Kopf voller Angst ist kein Platz für Träume“

Vielleicht bewirkt das der Aufenthalt in diesem wunderbaren Land, dass Angst keinen Raum einnehmen kann? Trotz wirklich widriger Umstände strahlen die Menschen Zuversicht und Freude aus: Namibia hat durch die Trockenheit, ausgelöst durch den El Nino jetzt schon Nahrungsmittelknappheit. Die Preise für die Grundnahrungsmittel sind in Hoachanas seit dem vergangenen Jahr bereits um durchschnittlich 10 % angestiegen und man erwartet einen weiteren Preisanstieg. Für Menschen, die praktisch ihr gesamtes Einkommen für Nahrungsmittel ausgeben müssen, ist das katastrophal. Jetzt schon werden an besonders Bedürftige vom Staat Säcke mit Maismehl ausgegeben – aber natürlich reicht das nicht, weil viel zu viele von diesem Maismehl satt werden müssen. Sie essen einmal am Tag und wie ich inzwischen weiß, sind manche schon glücklich, wenn sie ein ordentliches Essen in der Woche bekommen. Mais anbauen kann man in und um Hoachanas ohnehin nicht, auch ohne El Nino ist es dort am Rand der Kalahari für den Anbau ihres Hauptnahrungsmittels Mais immer zu trocken. Aber in guten Regenjahren haben die Tiere – meist Ziegen, aber auch Schafe und Rinder – wenigstens genug zu fressen. Jetzt werden sie leicht krank, sind dürr und können praktisch nicht verkauft werden oder doch höchstens zu einem sehr schlechten Preis. Und wenn die Menschen sie schlachten, sind sie in wenigen Tagen aufgegessen und können keine Jungen mehr bekommen.

Es gibt in und um Hoachanas ganz wenige Arbeitsplätze – die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, die Jugendarbeitslosigkeit liegt sicher bei 95%. Für einen 16-jährigen Schulabgänger gibt es einfach nichts.

Ein weiteres Problem ist natürlich auch HIV-Aids. Es gibt sicher keine Familie, die davon verschont ist – in der keiner krank oder schon gestorben ist. Neben der Trauerbewältigung müssen die Familien oft für die Kinder der Verstorbenen sorgen. Die Kinder müssen nicht nur mit dem Verlust der Mutter und/oder des Vaters fertig werden, sondern auch mit der Tatsache, mal zu diesen, mal zu jenen Verwandten zu kommen. Bisher erhalten die Verantwortlichen der Waisenkinder 250 Nam. Dollar im Monat (ca. 15 Euro). Es ist im Gespräch, den Betrag zu verdoppeln, aber auch das reicht natürlich nicht annähernd, ein Kind ausreichend zu versorgen.

Man könnte meinen, dass die Menschen deshalb voller Angst und Sorgen sind und keinen Platz für Träume haben!
Aber nein: Nie sehe ich hier bei uns so viel Lachen und Fröhlichkeit, so viel Zuversicht in die Zukunft, so viel Dankbarkeit, in einem freien, friedlichen Land zu leben! Das bewirkt auch bei mir

Platz für Träume!

Ein Traum ist der Aufbau eines Jugendzentrums. Ab 2017 werden auch noch Schülerinnen und Schüler der „Hoachanas-Highschool“ in Hoachanas sein – und es gibt außer den Bars, den „Shebeens“, in denen natürlich Alkohol verkauft wird, nichts, wo sie sich die Jugendlichen treffen können. Ein Jugendzentrum, in dem kein Alkohol verkauft wird, die Jugendlichen aber Musik hören und Spiele spielen können, evtl. an Computern arbeiten, vielleicht Billard, Tischtennis und Volleyball spielen können, im Chor singen und an verschiedenen Kursen und Workshops teilnehmen können – das wäre doch ein Traum für Hoachanas, oder? Für Immanuel Kauena wäre es ein Traum, solch ein Jugendzentrum aufzubauen und zu betreiben und die ihn kennen, trauen ihm das auch zu. (Siehe auch unsere Facebook-Seite – einfach am Computer auf unserer Homepage / „Aktuelles“ auf den Facebook-Button klicken, auch wenn Sie selbst nicht bei Facebook sind) Ich möchte es nicht als ein weiteres Projekt unter der Verantwortung des HCF organisieren – es sollte Immanuels Jugendzentrum sein, mit dem er vielleicht eines Tages sogar Geld verdient. Bei den Investitionen müssten wir ihm natürlich helfen. Wir würden klein anfangen, um zu sehen, wie er sich einarbeitet und einen Jugendclub aufbauen kann. Später könnten wir dann erweitern. Macht jemand mit?

Ich denke, der Chor ist so gut, dass wir nächstes Jahr wieder einmal eine Gruppe nach Deutschland einladen könnten. Auch hier hoffe ich auf die Unterstützung von Vielen! (Konzertauftritte, Unterkunft, Sightseeing… 😉

Der andere Traum soll Einkommen und Steinhäuser anstelle der Blechhütten für Arme schaffen: Mit einer speziellen Maschine können Backsteine viel preisgünstiger hergestellt werden und auch Häuser einfacher und billiger gebaut werden. Es ist zwar mit viel „Handarbeit“ verbunden, aber es gibt ja genug arbeitsfähige junge Männer, die anpacken können! Der Bauunternehmer, der die Klassenzimmer gebaut hat wird mit John Kauena, der seit Jahren für den HCF baut, dieses Unternehmen leiten. Wir wünschen viel Erfolg!

 

Viel Betrieb auf dem HCF-Sportplatz