Eindrücke einer Patin

08.10.2016

Karina Kussius – Patin einer Highschool-Schülerin – hat den HCF für zehn Tage vor Ort unterstützt und ihre Eindrücke aufgeschrieben:

„Ich reise für mein Leben gerne und habe schon das ein oder andere Land besuchen können. Diesmal sollte es eine Deutschlandtour sein. Geht doch nicht, dass ich in Neuseeland jeden zweiten Ort kenne und noch nie im Ruhrpott war. Aber, wie heißt es so schön: „Live happens while you are making other plans“.

Ich unterstütze seit diesem Jahr eine HCF High-School-Schülerin und Angelika Gleich schlug mir bei einem Telefonat vor: „Komm doch einfach mit nach Hoachanas“! (Als ob sie geahnt hätte, dass dieser einfache Satz reicht, mich mit dem Namibia- bzw. Hoachanasvirus zu infizieren.)

Anfang September war es dann so weit. Wir haben uns in Windhoek getroffen und sind zusammen nach Hoachanas gefahren.

First Stopp: Arche

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Schon beim ersten Stopp in der Arche wurde Angelika von den Mitarbeitern und den Kindern mit Beschlag belegt. So viele Neuigkeiten gab es auszutauschen, Termine zu notieren, Entscheidungen zu treffen. Außerdem war gerade Abendessenszeit für die Kinder. Obwohl ich wirklich nicht die emotionalste Person bin, ging es mir tierisch unter die Haut, zu sehen, wie diese kleinen Knöpfe in ihren Schuluniformen erst ein paar Lieder für uns und vor allem auch als Dank für das Essen sangen und dann brav in einer Reihe am Kochhaus anstanden, um einen Teller Reis mit Fischsauce und zwei selbstgebackene Brötchen von einer der Archeköchinnen in Empfang zu nehmen. Nach dem Essen spült jedes Kind seinen Teller und sein Besteck und gibt die Sachen wieder im Kochhaus ab. Ich wette jede Mutter die das liest, würde das auch gerne mal von ihren Kindern sehen.

 

Kooperation Arche – Schule

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Nachdem die Kinder satt ein Mittagschläfchen gemacht haben, fängt die Study time an. Heute waren aber nicht nur die „Archeteacher“ zur Betreuung da, sondern 5 Lehrerinnen der P.J. Tsaitsaib Schule kamen an die Arche um zu sehen, wie hier die Kindern betreut werden.

Die Lehrerinnen saßen dann noch zwei Stunden mit dem Archeteam zusammen, um ihnen Tipps zu geben, was und wie mit den Kindern geübt werden soll. Weitere Treffen sind in der Planung.

Ziegenprojekt an der Bollenwald Suppenküche

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Der nächste Stopp war die Bollenwaldsuppenküche. Für die Suppenküchenkinder waren wir zu spät dran, aber Elisabeth hat uns gleich hereingebeten und voller Stolz ihre Ziegen gezeigt. Sie hat dieses Jahr schon 7 junge Zicklein. Wenn sich die Herde so weiter entwickelt, können die beiden Schwestern Elisabeth und Christophine darüber nachdenken beim Chief Farmland zu beantragen. Zurzeit laufen die großen Ziegen zum Fressen tagsüber frei durch Hoachanas und umliegende Felder und kommen abends wieder alleine nach Hause. Die kleinen dürfen noch nicht mit.  Wegen der großen Trockenheit musste allerdings Kraftfutter zugekauft werden, um die Ziegen und zwar vor allem die Jungtiere durch die Dürreperiode zu bringen. Jetzt warten hier wirklich alle sehnlichst auf den Regen. Tatsächlich hat es heute Morgen schon mal ein paar Tropfen geregnet, aber das reicht nicht um die große Trockenheit der letzten 5 Jahre wett zu machen.

 

Fat Cookie Projekt an der Schwarzwald Suppenküche

Ein anderes Mikroprojekt das so langsam Fahrt aufnimmt, ist die „Fat Cookie“ Bäckerei von Alwina aus der Schwarzwald Suppenküche. Fat Cookies sind vergleichbar mit unseren Kreppln/Berliner/ Pfannkuchen nur ohne Zucker. Mit einem Minidarlehen von 100 NAD /€ 7,50 für Mehl und Fett hat Alwina angefangen Fat Cookies zu backen und lokal zu verkaufen. Ehrlicherweise muss man sagen das junge Start-up wäre sofort Pleite gegangen. Die erste Charge ergab nur 60 Fat Cookies die zu marktüblichen Preisen von 1 NAD verkauft wurden.  Nachhilfe in Cookie-Wirtschaft –  also Einnahmen müssen die Ausgaben decken plus Rücklage für neues Material – und ein zweites Darlehen für den nächsten Anlauf haben das junge Unternehmen zurück auf Kurs gebracht. Die Cookies haben jetzt eine sinnvolle Größe, so dass Geld für neue Zutaten übrig bleibt. Das Unternehmen hat inzwischen die Gewinnzone erreicht. Alwina hat gespart und konnte sich den ersten Traum erfüllen: Ein Fernsehgerät!

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Geburtstagseinkauf mit Bradley

 Wir waren gestern mit Bradley, einem Fünftklässler, einkaufen. Seine Paten haben Angelika Geld überwiesen zum Geburtstag. Bradley hat schon gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd, als er die 100 m von der Arche in den Shop im Auto mitfahren durfte.
Der Shop selber hatte eine kleinere Verkaufsfläche als bei uns eine Tankstelle in den 70erJahren, die Ware sauber im Regale gestapelt und vor dem Ladentisch teilt ein Gitter den Shop. Durch ein Fenster im Gitter werden dann Waren und Geld ausgetauscht.

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Ich fand es unfassbar, wie der kleine Knirps eingekauft hat: Mehl, Zucker, Öl, Salz, Porridge, Milch, Saft, Makkaroni, Reis, Tomatendosen, Tütensuppe, Thunfisch, Gemüse in Dosen, Zwiebeln, Tiefkühlfleisch, Seife, Waschmittel, Zahnpasta, Creme,  etc., etc., und ganz zum Schluss noch eine Rolle Kekse mit Cremefüllung.

Ich bin voller Ehrfurcht. So generalstabsmäßig hätte ich als Kind weder einen Familieneinkauf hinbekommen, noch hätte ich so sinnvolle Sachen gekauft. Da wären bestimmt ein paar Tafeln Kinderschokolade, Gummibärchen und die ein oder andere Barbiepuppe dabei gewesen.

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Bradleys Familie hat uns schon vor dem Haus erwartet. Auf dem Foto ist er mit seiner Oma.

Hoachanas High – School News

Mittlerweile sind die neuen Klassenzimmer für die 11. Und 12. Klasse fertiggestellt. Die Möbel wurden jetzt aufgestellt, da die Klassenzimmer nächste Woche ihren ersten Einsatz haben werden. Dort werden die 10. -Klässler ihre Abschlussprüfungen schreiben. Der reguläre High – School – Betrieb beginnt dann mit dem nächsten Schuljahr Mitte Januar in den neuen Räumen.

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Die Jungs und jungen Männer von der Sunrise-Fußballmannschaft haben mittlerweile den Zaun um die Schule erweitert. Die Mannschaft strahlte vor Freude, als sie für Ihren tatkräftigen Einsatz tolle neue Fußballtrikots mit dem Teamnamen Sunrise F.C. bekommen haben. Die Trikots kommen gerade rechtzeitig zum ersten HCF – Football Cup Mitte November. Wir rechnen mit 5 teilnehmenden Mannschaften aus Hoachanas und eventuell einem Bitterwasser Lodgeteam. Bitte dann unbedingt Daumen für das Team Sunrise drücken!!

Seit ein paar Tagen graben die Schüler der P. J. Tsaitsaib große Löcher entlang des neuen Schulzauns in den trocknen staubigen Boden. Wir wollten natürlich gleich wissen warum? Die Jungs haben uns stolz erklärt, dass ihre Schule von Windhoek ausgewählt wurde, um am 14. Oktober 2016 – dem nationalen Tag des Baumes in Namibia –  100 Bäume geschenkt zu bekommen. Damit wird das Gelände um die neuen Klassenzimmer von einer Staubwüste zu einem angenehmen Pausenhof.

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Besser hätte es für die zukünftigen Grade 11 /12 Learner wirklich nicht laufen können. Und auch für den HCF. Die Jugendlichen fänden es zwar toll, mal aus Hoachanas rauszukommen und nicht mehr unter der Fuchtel der Eltern oder Großeltern zu stehen, aber die Fahrerei ist zeit- und kostenintensiv und die Hostels müssen ja auch noch bezahlt werden. Dieses Geld kann ab nächstem Jahr dann anderweitig eingesetzt werden.

Erster Besuch bei meinem Patenkind Sarah-Lee

Wir waren in Marienthal an einem der vier High – School- Standorte, um dort sieben Grade 11 und einen Grade 12 learner zu besuchen. Für mich war diese Fahrt nach Marienthal eines der Highlights meiner Namibiareise, denn in hier habe ich mein Patenkind erstmalig getroffen. Nach anderthalb Stunden Fahrt, mehrheitlich über Schotterpisten waren wir an der „Hoerschool Marienthal“. Der Direktor hat die HCF Kinder gleich rufen lassen und uns einen Raum zur Verfügung gestellt. Getreu dem Spruch „einmal Lehrer – immer Lehrer“ hat Angelika gleich gefragt, ob denn alle gute Noten haben und ordentlich für die Prüfungen nächste Woche gelernt haben. Außerdem wurden die Schüler informiert, dass sie für nächstes Jahr wieder einen Bewerbungsbrief, zusammen mit ihren Schulreports und ihrer familiären Situation an den Hoachanas – Children – Fund schicken müssen.

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Mein Patenkind ist aus allen Wolken gefallen, als ich meinen Namen gesagt habe und warum ich da bin. Sie wusste wohl, dass ich nach Namibia komme aber ob und wann wir uns wirklich treffen würden, war unklar. Bisher haben wir beide nur Fotos voneinander gesehen.

Ich war total berührt, wie schüchtern Sarah-Lee war. Auf Ihrem Gesicht konnte man die ganz Palette von Freude, ungläubigem Staunen und mädchenhaftem Gekicher sehen. Sie hat sich riesig über die mitgebrachten Kleinigkeiten gefreut. Ich drücke ihr ganz fest die Daumen, dass sie die 11te Klasse schafft, die High School abschließen und ihren Traum Krankenschwester zu werden, wahr machen kann.“

Freizeitspaß in Hoachanas